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Gute Praxis auf Moor – geht das?

Workshop im Moorschutzdialog

27/06/2016   Wie lässt sich definieren, wie man auf Moor gut wirtschaftet? Was brauchen Moorflächen, um nicht zu degradieren? Was brauchen Landwirte, um Moorböden nachhaltiger nutzen zu können? Wie wollen wir als Gesellschaft unsere Moore nutzen? Zu einem Fachgespräch über diese Fragen lud der Deutsche Moorschutzdialog gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Moor- und Torfkunde (DGMT) e.V. vom 16.-18. Juni 2016 nach Fohrde bei Brandenburg. Knapp 30 Vertreter aus Wissenschaft, Praxis, Verwaltung und Verbänden diskutierten Aspekte von Wasserregime und Flächenmanagement, die die Moornutzung beeinflussen. Die Teilnehmer aus Landwirtschaft, Naturschutz und Wasserwirtschaft trugen rechtliche und ökonomische Aspekte zusammen, die die Moornutzung in Deutschland derzeit bestimmen. Dabei debattierten sie auch, wie sich eine verbesserte Nutzung durch Gesetzesbestimmungen oder Subventionen gezielt fördern ließe. Als Ergebnis des Workshops entsteht ein Diskussionspapier, dass noch in diesem Jahr veröffentlicht werden soll. Workshop und Diskussionspapier bilden eine Basis für eine breite gesellschaftliche Diskussion zur Etablierung guter fachlicher Praxis auf Moorböden.

 

Druckfrisch II

Buch “Moor-Restaurierung und Ökosystemleistungen“

27/06/2016   „Peatland Restoration and Ecosystem Services: Science, Policy, and Practice“ heißt das erste, ganz aktuelle und umfassende Buch über Moor-Restaurierung und Ökosystemleistungen. Für das 493 Seiten starke englischsprachige Werk hat der Verlag Cambridge University Press nach eigenen Angaben Experten von Weltklasse zusammengebracht, um das Thema aus ökologischer, sozialer und ökonomischer Perspektive zu betrachten. Darüber können sich die GMC-Wissenschaftler freuen – an neun von 20 Kapiteln haben sie mitgewirkt. Das Buch „Peatland Restoration and Ecosystem Services: Science, Policy, and Practice“ gibt es auch als E-Book.

 

Sonnentau gewinnt kultiviert

Preisträger Dr. Jenny Schulz und Balazs Baranyai beim Ideenwettbewerb MV (Foto: pixflut Jessica Brach)

1. Platz x 2 für „SoTaMed“

14/07/2016   Sonnentau innovativ hat das GMC-Forscherteam von Dr. Jenny Schulz und Balazs Baranyai in diesem Sommer zweimal auf Platz 1 gebracht - beim Ideenwettbewerb MV und beim Greifswalder UNIQUE Ideenwettbewerb. „SoTaMed“ heißt die Start-up-Idee des Gründerteams: Als erste Gruppe weltweit können sie die fleischfressende Pflanze, die medizinische Wirkstoffe liefert, auf wiedervernässten Mooren, also Sonnentau in Paludikultur anbauen. Kommerzieller Anbau ist bisher nicht möglich, doch die weltweite Nachfrage aus Sonnentau übersteigt das Angebot aus Wildsammlungen bei weitem. Mit ihren Anbaumethoden können Schulz und Baranyai einen hochwertigen und besonders nachhaltig produzierten Rohstoff anbieten.

Der landesweite Ideenwettbewerb MV, getragen vom Zentrum für Entrepreneurship und der Universität Rostock, will Wissenschaftler sensibilisieren und Ansporn liefern, ihre Ideen in Eigeninitiative weiterzutragen, etwa zu einer Patentierung zu bringen oder sich damit selbstständig zu machen. Der UNIQUE Ideenwettbewerb der Universität Greifswald und des Leibniz-Instituts für Plasmaforschung und Technologie e.V. (INP).unterstützt Studierende und Forschende der Universität Greifswald bei der Entwicklung ihrer Ideen bis zur Gründung eines Unternehmens. 

 

Auf Großvaters Spuren

Axel Weber (links), Enkel des Moorforschers C. A. Weber, zu Besuch in der Greifswalder Moorbibliothek

C.A. Webers Enkel besucht die Moorbibliothek

09/06/2016   Besonderer Besuch in der Programmbibliothek „Moor und Naturschutz“, Peatland and Nature Conservation International Library (PeNCIL): Axel Weber, der Enkel des wegweisenden Moorkundlers C.A. Weber (1856-1931), machte sich am 9. Juni 2016 mit seiner Frau ein Bild von den Beständen der Bibliothek und der Moorforschung am Greifswald Moor Centrum (GMC). Die Verehrung der Greifswalder Moorkundler für seinen Großvater ist groß: 2002 übersetzte John Couwenberg Webers Grundlagenwerk „Über die Vegetation und Entstehung des Hochmoors von Augstumal im Memeldelta“ (heutiges Litauen) ins Englische und machte das Werk damit einem breiteren Leserkreis zugänglich. In diesem Jahr unterstützen GMC-Mitarbeiter litauische Moorkundler bei der Übersetzung ins Litauische. Seit kurzem bereichert nun die litauische Ausgabe die Bestände der Moorbibliothek, die umfangreich von der Bernhard und Ursula Plettner Stiftung gefördert wird. Damit sich Webers Enkel im August 2016 auch vor Ort auf die Spuren des Großvaters begeben können, vermittelten Greifswalder Wissenschaftler Kontakte zu litauischen Kollegen.

 

Moore beim Bundespräsidenten

Forum für Moor auf Woche der Umwelt

08/06/2016   Schloss Bellevue, Woche der Umwelt, Moore – eine gute Kombination. Auf einem Fachforum während der Woche der Umwelt präsentierte das GMC Initiativen für die Revitalisierung und nachhaltige Nutzung von Mooren in Deutschland und weltweit.
Prof. Michael Succow wurde herzlich von Bundespräsident Joachim Gauck auf der Veranstaltung begrüßt und sein Plädoyer für den Erhalt der Moore und ein Umdenken in der jahrtausendealten Tradition der Moorentwässerung fand grosse Aufmerksamkeit. Beim voll besetzten Fachforum präsentierte Prof. Hans Joosten dazu harte Zahlen zur Klimarelevanz der Moore und eine mögliche Lösung – Paludikultur. Für diese neue, nasse Nutzung der Moore müssen Akteure und Betroffene eingebunden werden. Deswegen bringt das GMC den bundesweiten MoorDialog voran, gefördert von der Nationalen Klimainitiative der Bundesregierung. Die Bedeutung der Moorrevitalisierung über die Landesgrenzen hinaus machte Jozef Bednar (Wetlands International) an einem Projekt der Internationalen Klimainitiative der Bundesregierung in Russland deutlich. Klar wurde: Deutschland muss auch in Zukunft seiner großen Verantwortung für Schutz und Wiederherstellung von Mooren gerecht werden, um seinen Beitrag zum Klimaschutz und Biodiversitätserhalt zu leisten.  Fachforum zu Moor auf der Woche der Umwelt 2016 (Foto: S. Abel)

 

Paludikultur druckfrisch

Neues Fachbuch zur Bewirtschaftung nasser Moore

19.04.2016  Die GMC-Wissenschaftler Dr. Wendelin Wichtmann, Christian Schröder und Prof. Hans Joosten haben das Fachbuch “Paludikultur – Bewirtschaftung nasser Moore" herausgegeben. Auf 288 Seiten bietet das Buch, herausgegeben im Verlag Schweizerbart, umfassende Informationen zu politischen Rahmenbedingungen, Management, Umsetzungen und neuesten Forschungsergebnissen zur Bewirtschaftung nasser Moore. Es erläutert die Prinzipien nachhaltiger Moornutzung und setzt sich ein für die weltweite Umsetzung von Paludikultur als einzig mögliche Form der nachhaltigen Nutzung organischer Böden. Das Buch kann ab sofort beim Verlag bestellt werden.

 

Neue GMC-Angebote

Landwirtschaftsberatung und Torfkurs

5.04.2016  Individuelle Landwirtschaftsberatung zur klimaschonenden Nutzung von Niedermooren ist seit diesem Jahr in Mecklenburg-Vorpommern förderfähig und wird unter dem Dach des GMC angeboten. Sie bietet Information zu alternativen Bewirtschaftungsmöglichkeiten nasser Moore und Unterstützung beim Umstellen auf Paludikultur. Reges Interesse am neuen Beratungsangebot zeigte sich bereits bei den Teilnehmern der Tagung „Moorschutz“ Ende März in Güstrow, an der circa 60 Landwirte und Vertreter der Verwaltung teilnahmen. Ansprechpartner für die Beratung ist Dr. Wendelin Wichtmann.

DUENE e.V. bietet zudem im September einen dreitägigen Kurs in Moor- und Torfkunde. Auf dem Programm des Kurses vom 28.09. bis 30.09.2016 stehen u.a. Schulungen zu Ansprache von Torf- und Muddebildungen im Gelände, zur mikroskopischen Überprüfung von Feldansprachen und zu ökologischen bzw. hydrologischen Bildungsbedingungen. Anmeldungen sind ab sofort möglich.

 

Moor einrichten, nicht vernichten

Constructed wetland bei Ueckermünde

5.04.2016  Nicht Moor vernichten, sondern Moor einrichten, das war Ziel einer Bauaktion nahe Ueckermünde (Mecklenburg-Vorpommern) Ende März. Mit dem Einrichten einer nassen Testfläche von 288 m2 können zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: Der Landwirt ist interessiert, neue Methoden für Nährstoffrückhalt aus der Landwirtschaft auf seiner Fläche, einem gepolderten Niedermoor, zu testen. Die Wissenschaftler gewinnen neue Erkenntnisse darüber, wie sogenannte „constructed wetlands“ zur Verbesserung der Wasserqualität beitragen können. Als möglicher Nebeneffekt könnte der Landwirt den Aufwuchs als nachwachsenden Rohstoff verwerten und damit zusätzlichen Wert schöpfen.

 

Eine Tonne Typha

Dämmstoff vom Moor nebenan

31.03.2016  Rohrkolben (Typha) als Dämmstoff im Hausbau verwenden, geerntet gleich von der Fläche nebenan – für dieses Vorzeigeprojekt von Paludikultur leisteten GMC-Mitarbeiter in Kamp nahe Anklam (Mecklenburg-Vorpommern) freiwilligen Einsatz. Danach waren zwanzig große Kunststoffsäcke randvoll gestopft. Etwa 1000 kg Typha-Trockenmasse waren Ergebnis des Ernteeinsatzes auf gut einem halben Hektar nasser Moorfläche. Initiiert hat dieses Paludikultur-Leuchtturmprojekt der Niederländer Aldert van Weeren. Er saniert in Kamp neben wiedervernässten Flächen des Anklamer Stadtbruches ein Ferienhaus für Naturliebhaber, möglichst mit Naturbaustoffen aus der Region. Dass der Rohrkolben in Sichtweite nicht nur einen lokalen und regenerativen Öko-Baustoff liefert, sondern auch mit dem Naturschutzgedanken der Wiedervernässung von Mooren verbunden ist, gefällt ihm besonders gut. Der leidenschaftliche Ornithologe und Naturführer lässt die Typha-Biomasse nun im Hanffaserwerk Prenzlau zu Einblasdämmung aufbereiten.

 

Bundesregierung zu Moorschutz

Antwort auf Anfrage von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

15.01.2016  Durch die Erhöhung des Wasserstandes können Treibhausgasemissionen aus drainierten Moorflächen verringert, die Kohlenstoffspeicherfunktion von Mooren bei nahezu vollständiger Vernässung wieder hergestellt und zusätzlich erhebliche positive Effekte für den Wasserhaushalt und die Biodiversität erzielt werden - dies erklärt die Bundesregierung in ihrer aktuellen Antwort (18/7197) auf eine Kleine Anfrage „Schutz der Moore – Beitrag zum Natur- und Klimaschutz“ der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Ziel der Bundesregierung sei es daher, den Torfabbau in Deutschland ab 2015 signifikant zu reduzieren und fünf Prozent der land- und forstwirtschaftlich genutzten Moorböden wieder zu vernässen. Die Antwort erwähnt zur Umsetzung dieser Ziele die Greifswalder Forschung zu Torfmooskultivierung, das Projekt zur Wiedervernässung von Mooren in der Russischen Föderation sowie den Nationalen Moordialog und betont damit die Bedeutung dieser Vorhaben des GMC. Hier die zugehörige Pressemitteilung des Bundestages.